Eine  miserable Umleitung 
lang, umständlich und schlecht beschildert

Für ein halbes Jahr ist die Staatsstraße 2660 im Neumarkter Süden gesperrt, und zwar nur für Radfahrer und Fußgänger. 
Abb.1: Sperre des Radwegs neben der ST2660
Abb.2: Sperrschld während der Vollsperre in den ersten zwei Wochen
Während der Sanierung der Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Regensburg wird die Brücke der ST 2660 über die Bahnlinie bis Ende August 2026 erneuert. Zu Anfang war eine Vollsperrung der ST 2660 nötig (Abb.2), so dass Kfz-Verkehr, Radfahrer und Fußgänger nicht mehr von Hasenheide in das Gewerbegebiet Süd oder entlang der Straße zwischen der Ingolstädter Straße und der Regensburger Straße verkehren konnten. Jetzt ist eine Durchfahrt (einspurig mit Baustellenampel) nur für den Kfz-Verkehr geschaffen. Für Radfahrer gibt es eine lange Umleitung (Abb.3), weil die Stelle weder in Nord-Süd-Richtung, noch in West-Ost-Richtung auf dem Fahrradweg passiert werden kann.
Abb.3: Umleitungsstrecke Ingolstädter Straße - Flutgrabenweg - Regensburger Straße mit Korrektur (siehe Ergänzung)



Abb.4: Die Engstelle von Westen her gesehen
Abb.5. Baustelle von Osten her gesehen
Für die Radfahrer soll die Umleitung über die Regensburger Straße, den Flutgrabenweg und die Ingolstädter Straße führen (Abb.3). So war es zumindest in den Neumarkter Nachrichten am 29.1.2026 zu lesen.Ich habe mir die Situation vor Ort (Abb. 4 und 5) angeschaut, weil ich wissen wollte, ob die monatelange Sperrung für den Radverkehr wirklich nötig ist. Diese Frage kann ich nicht beantworten. Der straßenbegleitende 2-Richtungs-Radweg auf der Nordseite der ST2660 ist sicher mit in die Baustelle einbezogen (Abb.5) und daher mindestens so lange nicht zu nutzen, wie die Nordseite der Brücke mit der nordseitigen Fahrspur saniert wird. Ob das anders wird, wenn die Baustelle die Straßenseite wechselt, bleibt abzuwarten. Und ob man den Radverkehr mit dem Kfz-Verkehr durch die Baustelle führen könnte? Ich weiß es nicht. Sowohl die Aufleitung vom Radweg auf die Fahrbahn wie die geringe Breite der Engstelle machen eine solche Zusammenführung von Kfz- und Radverkehr sicher schwierig. Auch nach Studium des Leitfadens Radverkehr an Baustellen der AGFK Bayern (Abb.6 ) bin ich mir nicht sicher, ob eine regelkonforme Radverkehrsführung auf einem Radweg oder im Mischverkehr möglich gewesen wäre.
Abb.6: Leitfaden Umleitungen der AGFK

Aber was enttäuschend schlecht ist, ist die Beschilderung der Umleitung für die Radfahrer! Schon bei meiner kurzen „Besichtigung“ Baustelle von Westen und Osten her traf ich innerhalb von 30 Minuten mindestens 10 Radfahrer, die nicht erkennen konnten, wie es an dieser Stelle weitergeht. Senioren mit E-Bikes kamen an der gesperrten Unterführung  neben dem Pfleiderer-Gelände nicht weiter und jugendliche Mountainbiker kamen vom Diavolo-Trail und wußten nicht, wie es zum Burger King weitergeht. Keiner kannte die Umleitung über den Flutgrabenweg. Das ist auch kein Wunder. 
Abb.7: Umleitungsschilder an der Ingolstädter Straße
Abb.8: Radfahrer wissen nicht, wo es lang geht
An der Kreuzung der ST2660 mit der Ingolstädter Straße gibt es Absperrungen und Umleitungsschilder (Abb. 7 und 8). Allerdings fehlen eindeutige Angaben zum Grund und die Führung der Umleitung.
Abb.9: Kein Hinweis auf die Radwegsperre, die erst nach knapp einem Kilometer zu erkennen ist.
Abb.10: einsames Umleitungsschild am Anfang der Regensburger Straße
An der Einmündung der Regensburger Straße gibt es keine Absperrung (Abb. 9) und nur weit weg eine Umleitungsbeschilderung Richtung Berngau (Abb. 10). Das soll einer verstehen. So wundert es nicht nicht, das Radfahrer erst nach fast einem Kilomeeter unmittelbar an der Straßenbrücke feststellen, dass sie da nicht mehr weiterkommen (Abb.1) und wieder umkehren müssen.
Dabei wäre es doch so einfach. Die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern AGFK, deren stolzes Mitglied Neumarkt ist, hat schon vor über 7 Jahren den „Leitfaden Umleitungen der AGFK Bayern“ (s.o. Abb.6) herausgegeben.
Da steht auf Seite 61, dass am Anfang jeder Umleitung eine Beschilderung mit ausführlicher Information über

   • Grund der Streckensperrung

   • Beginn und Ende (zeitlich)

   • Verlauf der Umleitung

   • Ggf. weitere Informationen zu Topographie oder Kfz-Verkehr
zu erfolgen hat.

Und weiter heißt es im dem Leitfaden auf Seite 62:
“In jedem Fall sollte eine Umleitung auf der kommunalen Internetseite, über die lokale Presse sowie ggf. in den sozialen Medien rechtzeitig vor Beginn kommuniziert werden.“

 Auch hier Fehlanzeige. Und der schon vor langem geäußerten Bitte, die Radfahrer-Umleitung bei Sperrung des Volksfestplatzes im Internet zu erklären, ist die Stadt bisher nicht nachgekommen. 
Bei weiträumigen Umleitungen (>1km)  „ist am letzten Routenabzweig vor der Bau- bzw. Störstelle eine Planskizze zur Vorankündigung vorzusehen“ (Leitfaden Seite 11 und 12, Beispiel Abb.11 und 12). 
Diese Planskizzen zur Information über die Umleitung fehlen.

Abb.11: Planskizze für eine weiträumige Umleitung
Abb.12 Planskizze für eine kurze Umleitung
So mangelhaft, wie die Beschilderung an beiden Enden der Umleitung ist, schlimmer ist es noch an den Abzweigungen, wo die Umleitung von der Regensburger bzw. der Ingolstädter Straße in den Flutgrabenweg abbiegt (Abb.13 und 14).Hier gibt es gar keine Beschilderung mehr. Dazu schreibt der Leitfaden auf Seite 8: 

“Die Umleitungsbeschilderung muss kontinuierlich wiederholt werden, mindestens jedoch an jedem Knotenpunkt mit Richtungsänderung und zusätzlich an verkehrswichtigen Knotenpunkten.”

Abb. 13 und 14: Keine Umleitungsbeschilderung an den Kreuzungen mit dem Flutgrabenweg.
Zusammengefaßt ist es hier wie bei fast allen Baustellen in Neumarkt: am liebsten schickt man die Radfahrer auf Umleitungen, wo sie den motorisierten Verkehr nicht stören. Und diese Umleitungen werden schlecht bis gar nicht ausgeschildert. Die Informationen zu den Umleitungen im Internet fehlen auf der Website der Stadt Neumarkt vollständig. Würde Neumarkt sich an die Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen halten, sähe es anders aus.

ERGÄNZUNG am 18. März 2026:

Nachdem ich meinen Artikel am 12. März 2026 online gestellt habe hat es zwei wichtige Änderungen ergeben.

Zum einen hat mich eine liebe Leserin darauf hingewiesen, dass die Umleitung nicht, wie von mir beschrieben und so wie ich es aus der Zeitung vielleicht fälschlicherweise in Erinnerung hatte, über den Flutgrabenweg geführt wird, sondern ein Umleitungsschild noch weiter stadteinwärts an der Kreuzung Ingolstädter Straße/Regensburger Straße und Weinbergerstraße steht. (Abb.15 und 16.)
Abb. 15 und 16: Die Umleitungsschilder an der Kreuzung Ingolstädter/Regensburger Sraße

Damit ergibt sich auch eine neue Umleitungskarte (Abb.3).

Wie allerdings ein Radfahrer an der Kreuzung korrekt von der Regensburger Straße nach links in die Ingolstädter Straße abbiegen soll, bleibt weiter ein Rätsel. Drei Umleitungsschilder führen den Radfahrer erst nach links über den Fußgängerüberweg, dann nach rechts in zwei Etappen in falscher Fahrtrichtung als Geisterradler auf die Westseite der Kreuzung. Da bleibt eigentlich nur absteigen und schieben, will man sich nicht den Zorn der Fußgänger auf sich ziehen. Fahrradfreundlich sieht anders aus. 

Und jetzt gibt es noch die Umleitung der Umleitung, weil der gemeinsame Zweirichtungs - Fuß- und Radweg an der Ingolstädter Straße gesperrt ist. Dazu gibt es einen gesonderten Beitrag .

Quellen:
1. Leitfaden Umleitung der AGFK Bayern
2. Informationen zum Radverkehr auf der Website der Stadt Neumarkt (https://www.neumarkt.de/leben-soziales/verkehr/radverkehr/) aufgerufen am 12.3.2026
Neumarkt, 12. März 2026, ergänzt am 18. März 2026P.S.: Kaum hatte ich den Artikel fertig, lese ich heute in der Zeitung, dass auch der Radweg an der Ingolstädter Straße bis zum Sommer gesperrt bleiben soll.  Also gibt es jetzt eine Umleitung der Umleitung.
Für kritische Anmerkungen, Hinweise auf den Fehlerteufel und Themenvorschläge schreibt bitte eine Email: ludwig.kleine@radfahren-in-neumarkt.de

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