Verkehrswende rückwärts 
die neue OBI-Kreuzung für Radfahrer




Das einzig Positive, was Radfahrer an dem Umbau der Obi-Kreuzung finden können, sind vielleicht die teilweise überbreiten Radwege. Ansonsten das Ergebnis Folge einer Verkehrsplanung des letzten Jahrtausends. Schon in einem früheren Beitrag habe ich auf die Mängel hingewiesen und die schlimmsten Befürchtungen haben sich bestätig. Ich erinnere mich noch daran, wie der Verkehrsplaner von R+T im Stadtrat damals auf die teils mehr als 4 Meter breiten Radwege hingewiesen hat (Abb.1). Das war aber nur deshalb so, weil auf diesem Weg Fußgänger verbannt wurden.
Abb.1: Plan der Obi-Kreuzung, vorgelegt im Stadtrat am 25. Mai 2023
Abb.2: Mögliche Wege für Radfahrer und Fußgänger vor dem Umbau

Vor dem Umbau Fußgänger und Radfahrer die Kreuzung an allen Seiten in allen Richtungen queren konnten (Abb.2). Heute stehen den  Radfahrern nur noch drei statt 8 (Abb.3) den Fußgängern nur noch 4 statt (Abb.4) Querungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dafür gibt es jetzt 3 zusätzliche Fahrspuren für den motorisierten Verkehr. 
Abb.3: nur noch drei Wege für Radfahrer,bisher 8
Abb.:
Abb.4: nur noch vier Wege für Fußgänger, bisher 8


Dieses Vorgehen widerspricht den eigenen Beschlüssen der Stadt Neumarkt, den Radverkehr besonders zu fördern (Integrierter Gesamtverkehrsplan 2013), für mehr Nachhaltigkeit zu sorgen (Nachhaltigkeitsstrategie Neumarkt) oder das Integrierte Stadtentwicklungskonzept ISEK, das im Mai 2026 endgültig beschlossen wurde (Abb.5-7).
Abb.5: Intergrieter Gesamtverkehrsplan Neumarkt 2013
Abb.6: Nachhaltigkeitsstrategie
Abb.: 7 Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept


Schaut man sich das Ergebnis der Planungs- und Baumaßnahmen an, ist es erschreckend, wie wenig auf die Bedürfnisse der umweltfreundlichen Mobilität der Radfahrer und Fußgänger eingegangen wurde. Daher habe ich anhand einiger Beispiele zusammengestellt, wie die alten und neuen Wege sind, wenn man jeweils von A nach B will und sich an alle Regeln hält. Gelb jeweils der alte Weg, rot der neue (Abb.8 a-d, durch klicken auf ein Bild öffnet sich eine größere Ansicht).

Abb.8c: vom Kanal zum OBI
Abb.8a: Von der Johannes-Donauer-Straße zum Einkaufszentrum Neumax
Abb.8b: vom Einkaufszentrum zur Johannes-Donauer-Straße
Abb.8d: Von der Dreichlinger Straße zum Einkaufszentrum
Die Führung der Radfahrer ist an beiden Bushaltestellen gefährlich. Kommt ein Bus und hält auf dem unterbrochenen Radfahrstreifen, muss der Radfahrer auf die Fahrspur für den Kfz-Verkehr ausweichen (Abb. 9a und b).
Abb.9 a und b: Steht ein Bus an der Haltestelle, muss der Radfahrer nach links ausweichen

Diese Beispiele zeigen, dass der Radverkehr massiv eingeschränkt wurde. Es ist zu erwarten, dass sich die allerwenigsten an die Regeln halten und erste Beobachtungen bestätigen das. Als ich unterwegs war, um Fotos vor Ort zu machen, konnte ich schon während weniger Minuten zahlreiche “Falschfahrer” fotografieren (Abb.10 und 11). Und das wird leider so bleiben. 

Abb. 10.a-c: Diese beiden Radfahrer missachteten das Durchfahrtsverbot und fuhren in falscher Richtung auf dem Radfahrstreifen 

Abb.11a und b: Zahlreiche Radfahrer überquerten den Rechtsabbieger, obwohl hier nur Fußgänger queren dürfen.
So bleibt trotz der erfreulich frühen Fertigstellung der Kreuzung ein bitterer Nachgeschmack wegen der auf viele Jahre jetzt zementierten und asphaltierten Benachteiligung der umweltfreundlichen Mobilität.  Die E-Klima-Richtlinie der FGSV1, die bessere Verkehrsqualitäten für Rad- und Fußverkehr (QSV A) statt für den Kfz-Verkehr (hier bestenfalls QSV D) fordert und seit 2022 gültig war, wurde beim Beschluss zum Umbau im Jahr 2023 nicht berücksichtigt wie übrigens auch nicht im Radverkehrskonzept im Jahr 2025. Die Planungen des Büros R+T machen es genau umgekehrt. 
Die neue Obi-Kreuzung ist damit mehr als eine unglückliche Lösung für den Radverkehr. Sie steht beispielhaft für einen Widerspruch zwischen den selbst gesetzten Zielen der Stadt – mehr Nachhaltigkeit und Förderung des Radverkehrs – und der tatsächlich umgesetzten Verkehrsinfrastruktur. 
Es ist das Ergebnis einer Verkehrspolitik wie im letzten Jahrtausend ohne jeden Versuch einer Verkehrswende in Richtung klimafreundlicher Mobilität. Alle Bemühungen, zum Beispiel im Jour fixe Radverkehr oder an anderer Stelle, Verbesserungen für Rad- und Fußverkehr zu erreichen, waren vergeblich.
17. August 2026 


Abbildungen:
Abb.1     Der Plan der Obi-Kreuzung im Stadatrat am 25. Mai 2023: https://www.neumarkt.sitzung-online.de/public/to020?2--anlagenVoHeaderPanel-attachmentsList-0-attachment-link&TOLFDNR=1000417&SILFDNR=1000016
Abb.2     Bearbeitung vom Satellitenbild  aus googlemaps
Abb.3, 4 und 8 a-d     Die diesen Bildern zugrundeliegende Luftaufnahmen verdanke ich Herrn Konrad Maier von der Flugsportvereinigung Neumarkt und Herrn Gerhard Schmirrler, die diese Aufnahmen im Rahmen der Waldbrand-Überwachungsflüge für mich anfertigen konnten. An dieser Stelle herzlichen Dank.
Abb.5     Integrierter Gesamtverkehrsplan Neumarkt https://www.neumarkt.de/media/1979/kurzfassung_gesamtverkehrsplan.pdf
Abb.6     Nachhaltigkeitsstrategie https://www.neumarkt.de/media/9411/nm-nachhaltigkeitsstrategie-zwischenbericht-2020.pdf
Abb. 7     ISEK 2026 https://www.neumarkt.sitzung-online.de/public/vo020?6--attachments-expandedPanel-content-body-rows-1-cells-2-cell-link&VOLFDNR=1000816&refresh=fals

Literatur:
Empfehlungen zur Anwendung und Weiterentwicklung von FGSV-Veröffentlichungen im Bereich Verkehr zur Erreichung von Klimaschutzzielen ( E-Klima Empfehlungen) aus dem FGSV Verlag 2022)

Für kritische Anmerkungen, Hinweise auf den Fehlerteufel und Themenvorschläge schreibt bitte eine Email: ludwig.kleine@radfahren-in-neumarkt.de

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